Sex im Nachtzug – Abteil 34, Hamburg–Wien
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Ich hatte 189 Euro bezahlt, um eine Nacht lang mit niemandem reden zu müssen, und um 21:52 Uhr stand ein fremder Mann in meinem Abteil.
„Es tut mir wirklich leid“, sagte der Schaffner, ein kleiner Österreicher mit Schnauzbart und einer Stimme, die nach zwanzig Jahren Nachtschicht klang. „Ein Schlafwagen ist in Hamburg defekt abgestellt worden. Ich habe zwölf Leute ohne Bett. Sie haben ein Abteil mit vier Liegen und sind allein. Darf ich den Herrn hier unterbringen? Nur wenn es für Sie in Ordnung ist. Sonst finde ich etwas anderes.“
Ich bin Katrin, 35, Messebauerin. Ich war die ganze Woche in Hamburg gewesen, hatte siebzig Stunden lang Stände aufgebaut, Kabel verlegt und mich mit Ausstellern gestritten, die eine Stunde vor Eröffnung noch die Wandfarbe ändern wollten. Ich wollte nach Hause nach Wien. Ich wollte meine Ruhe. Ich wollte schlafen.
Dann sah ich mir den Herrn an.
Ende dreißig, groß, schmal, schwarze Jeans, ein dunkelgrüner Hoodie mit dem Logo irgendeiner Band, die ich nicht kannte. Rasierter Schädel, kurzer dunkler Bart, ein silberner Ring im linken Ohr. Über der Schulter eine Tasche, aus der ein Gewirr von Kabeln hing. Und Unterarme, auf denen sich die Tattoos bis unter die Ärmel zogen. Er sah mindestens so fertig aus wie ich.
„Ich bin harmlos“, sagte er. „Ich schnarche nicht, ich rede nicht im Schlaf und ich steig in Linz aus, wenn’s sein muss.“
„Der Zug hält in Linz um sechs“, sagte ich.
„Eben.“
Ich musste lachen. Es war das erste Mal seit Tagen. „Okay. Er kann bleiben.“
Der Schaffner bedankte sich so überschwänglich, als hätte ich ihm eine Niere gespendet, und verschwand. Der Fremde warf seine Tasche auf die obere Liege gegenüber und hielt mir die Hand hin.
„Deniz. Tontechniker. Ich komm von einer Tour, drei Wochen, vierzehn Städte, ich hab vergessen, wie ein Bett aussieht.“
„Katrin. Messebau. Ich hab vergessen, wie ein Wochenende aussieht.“
Er grinste. Gute Zähne, ein Grübchen in der linken Wange. Scheiße, dachte ich. Das wird eine lange Nacht.
Der Zug rollte aus dem Hamburger Hauptbahnhof. Draußen zogen die Lichter der Stadt vorbei, dann Gleisanlagen, dann Dunkelheit. Das Abteil war eng, wie diese Abteile eben sind: zwei Liegen unten, zwei oben, ein schmaler Gang dazwischen, ein winziges Fenster mit Rollo, ein Klapptisch, eine Tür mit Milchglas zum Gang. Die Wände so dünn, dass man den Mann im Nachbarabteil husten hörte.
Wir saßen uns auf den unteren Liegen gegenüber, die Knie fast aneinander, und teilten mein Abendessen. Zwei Fischbrötchen vom Bahnhof, eine Tüte Chips, eine Flasche Mineralwasser. Wir redeten. Über Bands, für die er gemischt hatte, und Messestände, die ich gebaut hatte. Über das Gefühl, nach einer Tour oder einer Messe so leer zu sein, dass man nicht mal mehr weiß, worauf man Lust hat.
„Ich weiß meistens schon, worauf ich Lust hab“, sagte ich, bevor ich nachdenken konnte.
Er sah mich an. Lange. Das Abteil war plötzlich noch enger.
„Und worauf?“
Ich hätte sagen können: Schlaf. Ich sagte gar nichts. Ich sah ihn nur an, und er sah zurück, und der Zug ratterte über eine Weiche, und mein Knie drückte gegen seins, und keiner von uns bewegte sich weg.
Gegen elf klopfte der Schaffner noch einmal, nahm unsere Frühstücksbestellung auf und wünschte eine gute Nacht. Deniz machte das große Licht aus. Nur die kleine blaue Nachtleuchte über der Tür blieb an. Ich zog mich unter der dünnen Decke bis auf Slip und Top aus. Er drehte sich höflich zur Wand und zog dann selbst den Hoodie über den Kopf. Darunter: ein schwarzes T-Shirt, das sich über seinem Rücken spannte. Er legte sich auf die untere Liege gegenüber, die Arme hinter dem Kopf.
Ich lag im Dunkeln und hörte ihn atmen. Ich war hellwach.
Nach zwanzig Minuten sagte er leise: „Du schläfst nicht.“
„Du auch nicht.“
„Nein.“ Pause. Das Rattern der Schienen. „Katrin, ich sag dir jetzt was, und wenn ich falschliege, dreh ich mich um und halt bis Linz die Klappe.“
„Sag.“
„Ich hab seit Hamburg einen Ständer, den ich nicht wegkriege. Und ich glaub, das liegt an dir.“
Mir wurde heiß. Von den Wangen bis runter zwischen die Beine. Ich hatte meine Hand schon die ganze Zeit auf meinem Bauch liegen gehabt, knapp über dem Slip, und mich nicht getraut, sie tiefer zu schieben.
„Du liegst nicht falsch“, sagte ich. „Ich bin nass, seit du ‚ich bin harmlos‘ gesagt hast.“
Er setzte sich auf. Im blauen Licht sah ich seine Silhouette, die Schultern, den Bart. „Willst du das wirklich? Hier? Die Wände sind aus Pappe.“
„Ja. Ich will das. Hier.“ Ich schlug die Decke zurück. „Komm her.“
Er war mit einem Schritt bei mir. Mehr Platz gab es auch nicht. Er kniete sich neben meine Liege auf den Boden und küsste mich, hart und tief, und seine Hand lag sofort auf meiner Titte, knetete sie durch das dünne Top, kniff in den Nippel, bis ich in seinen Mund stöhnte.
„Leise“, flüsterte er und grinste gegen meine Lippen. „Nebenan schläft einer.“
„Dann hör auf, mich so anzufassen.“
„Nein.“
Er zog mir das Top hoch und leckte über meine Brüste, saugte an den Nippeln, biss leicht hinein, während seine Hand über meinen Bauch nach unten wanderte und unter den Slip glitt. Er stöhnte leise, als er spürte, wie klatschnass ich war.
„Fuck. Du hast nicht gelogen.“
„Ich lüge nie, wenn’s ums Ficken geht.“
Er schob zwei Finger in mich, ohne Vorwarnung, und ich biss mir in den Handrücken, um nicht laut zu werden. Er fickte mich mit den Fingern, langsam und tief, den Daumen auf meinem Kitzler, und der Zug ratterte im selben Rhythmus über die Schwellen, und ich spürte jede einzelne Fuge in den Gleisen direkt in meiner Möse. Ich hob die Hüften und ritt seine Hand. Die Liege quietschte. Draußen auf dem Gang gingen Schritte vorbei, und wir erstarrten beide, seine Finger tief in mir, und ich zog mich so fest um sie zusammen, dass er leise fluchte.
Die Schritte verschwanden. Er machte weiter. Schneller.
Ich kam mit seinem Mund auf meinem, damit er das Stöhnen schlucken konnte, und es war ein harter, dreckiger, zuckender Orgasmus, bei dem meine Beine gegen die Abteilwand traten. Nebenan hustete jemand. Ich lachte atemlos in seinen Bart.
„Jetzt du“, sagte ich. „Steh auf.“
Er stand auf, und ich setzte mich auf die Kante der Liege, sein Schritt genau auf Höhe meines Gesichts. Ich zog ihm die Jeans und die Shorts runter, und sein Schwanz sprang mir entgegen, hart, dick, mit einer glänzenden Eichel, an der schon ein Tropfen hing. Ich leckte ihn ab. Deniz stützte sich mit beiden Händen an der oberen Liege ab und stöhnte durch die Zähne.
Ich blies ihn langsam und nass, schob ihn mir tief in den Mund, so tief es ging, ließ ihn wieder rausgleiten und leckte an der Unterseite entlang bis zu den Eiern. Ich nahm sie in den Mund, eins nach dem anderen, während ich ihn mit der Hand wichste. Er zitterte. Im blauen Licht sah ich, wie er den Kopf in den Nacken legte, den Mund offen, die Bauchmuskeln angespannt.
„Wenn du so weitermachst“, keuchte er, „spritz ich dir gleich in den Mund.“
Ich ließ ihn los. „Nicht in den Mund. Ich will dich in mir.“
„Kondom ist in der Tasche. Oben.“
„Dann hol’s.“
Er stieg mit heruntergelassener Hose auf die Leiter, wühlte in dem Kabelsalat seiner Tasche, fluchte, wühlte weiter, und ich saß nackt auf meiner Liege und lachte so sehr, dass ich mir ein Kissen vors Gesicht drücken musste. Dann hielt er triumphierend ein Kondom hoch. „Notvorrat. Tourregel Nummer eins.“
Er rollte es sich über und zog mich hoch. Viel Platz zum Stehen gab es nicht. Er drehte mich um, und ich stützte mich mit beiden Händen auf den Klapptisch unter dem Fenster. Das Rollo war unten. Ich zog es mit einem Ruck hoch.
Draußen flog Deutschland vorbei. Ein beleuchteter Bahnsteig irgendwo zwischen Hannover und Göttingen, leer, eine einsame Laterne, ein Getränkeautomat. Dann wieder Felder, Dunkelheit, ab und zu die Lichter eines Dorfes.
„Bist du verrückt?“, flüsterte Deniz hinter mir.
„Es ist ein Uhr nachts. Da draußen ist keiner. Und wenn doch einer auftaucht, ist das Rollo schneller unten, als er gucken kann.“
Er setzte seinen Schwanz an und stieß in mich. Ganz. In einem Zug. Ich keuchte und klammerte mich an den Tisch. Er packte meine Hüften und fing an, mich zu ficken, hart und tief, und der Zug schaukelte, und bei jeder Kurve drückte es ihn noch tiefer in mich rein. Das Klatschen seiner Hüften gegen meinen Arsch war viel zu laut für dieses Abteil. Ich presste das Gesicht gegen das kalte Fenster und sah mein eigenes Spiegelbild über der vorbeirasenden Landschaft, den offenen Mund, die wippenden Titten, ihn hinter mir mit diesem konzentrierten, fast wütenden Gesichtsausdruck.
„Härter“, flüsterte ich. „Bitte. Härter.“
Er griff mir in die Haare, nicht fest, nur so, dass ich ihn spürte, und gab es mir härter. Ich biss mir auf die Lippe. Irgendwo im Gang schlug eine Tür, und ich dachte, dass ich gleich wahnsinnig werde.
Dann wurde der Zug langsamer.
Der Bahnhof von Göttingen schob sich ins Fenster. Grelles Licht. Ein Bahnsteig. Und auf dem Bahnsteig, keine zehn Meter entfernt, ein Bahnmitarbeiter in Warnweste, der sich gerade eine Zigarette anzündete.
„Rollo“, keuchte Deniz. „Katrin, das Rollo.“
Ich riss es herunter, so weit, dass nur noch ein handbreiter Spalt blieb. Durch den Spalt sah ich die Warnweste, das Glimmen der Zigarette, das Licht des Handys in seinem Gesicht. Er sah nicht her. Er hatte keine Ahnung, dass einen Meter über dem Bahnsteig, hinter einer dünnen Scheibe und einem Stück Plastik, eine nackte Frau auf einem Schwanz steckte.
Der Zug hielt. Deniz hatte aufgehört, sich zu bewegen. Er steckte bis zum Anschlag in mir, und ich spürte ihn pochen, und ich spürte mein eigenes Herz in der Kehle. Dann fing ich an, mich selbst zu bewegen. Ganz langsam. Vor und zurück auf seinem Schwanz. Den Blick auf den schmalen hellen Spalt gerichtet.
„Du bist so versaut“, flüsterte Deniz in mein Ohr, und seine Stimme zitterte. „Ich liebe es.“
Der Mann in der Warnweste trat die Zigarette aus und ging zum Ende des Bahnsteigs. Ein Pfiff, die Türen schlugen zu, der Zug ruckte an, und in genau dem Moment packte Deniz wieder meine Hüften und rammte ihn mir rein, und ich kam. Einfach so. Ohne dass mich irgendwer am Kitzler berührt hatte. Ich kam mit dem Gesicht am Rollo, durch den Spalt der Bahnhof, der langsam nach hinten wegglitt, und ich zuckte und zitterte um seinen Schwanz und hatte keine Chance mehr, leise zu sein.
Nebenan klopfte jemand gegen die Wand. Zweimal. Ziemlich deutlich.
Deniz lachte, keuchte, fickte mich weiter. „Ich glaub, wir haben einen Fan.“
„Halt die Klappe und komm“, keuchte ich.
Er zog ihn raus, drehte mich um und hob mich auf den Klapptisch, der unter uns bedrohlich knarzte. Ich schlang die Beine um ihn, er drang wieder in mich ein, von vorne jetzt, und sah mir dabei in die Augen. Es war wie ein Wettrennen. Schnell, dreckig, verschwitzt, sein Bart an meinem Hals, meine Nägel in seinem Rücken, der Zug, der unter uns durch die Nacht donnerte. Er kam mit einem tiefen, gepressten Laut, die Stirn an meiner Schulter, und ich spürte, wie er in mir pulsierte, wieder und wieder, bis er schwer gegen mich sackte.
Wir blieben so stehen, bis der Tisch zu ächzen anfing. Dann ließen wir uns zusammen auf die schmale untere Liege fallen, Haut an Haut, verschwitzt, außer Atem, viel zu groß für dieses Bett, und lachten wie zwei Idioten.
„Linz um sechs“, sagte er irgendwann.
„Du steigst nicht in Linz aus.“
„Nein?“
„Nein. Du fährst bis Wien. Und dann fährst du mit mir nach Hause. Ich hab eine Badewanne. Und ein Bett, das nicht quietscht.“
Er sah mich an, im blauen Licht, mit diesem Grübchen. „Ist das eine Einladung oder ein Befehl?“
„Was dir lieber ist.“
Wir haben in dieser Nacht nicht geschlafen. Zwischen Nürnberg und Passau hat er mich noch einmal geleckt, auf der unteren Liege, mit meinem Fuß gegen das Fenster gestemmt, bis ich in die Decke biss. Kurz vor der Grenze habe ich ihn noch einmal geritten, ganz langsam, so leise, wie zwei Menschen in einem Zugabteil sein können. Was nicht sehr leise ist.
Um halb sieben klopfte der Schaffner und brachte das Frühstück. Zwei Kaffee, zwei Semmeln, Butter, Marillenmarmelade. Er sah uns an, sah die zerwühlte untere Liege und die völlig unbenutzte obere, auf der immer noch Deniz’ Kabeltasche lag, und verzog keine Miene.
„Gut geschlafen?“, fragte er.
„Hervorragend“, sagte ich.
Er nickte. „Ihr Nachbar hat sich übrigens beschwert. Abteil 35. Er meint, hier hätte jemand die ganze Nacht Möbel gerückt.“
Deniz verschluckte sich an seinem Kaffee.
„Sagen Sie ihm, es tut uns leid“, sagte ich. „Wir haben nur aufgeräumt.“
Der Schaffner schaute zum Klapptisch, der etwas schief in seiner Halterung hing, und dann wieder zu mir. Diesmal zuckte sein Schnauzbart.
„Ich sag’s ihm“, sagte er. „Und für die Rückfahrt empfehle ich Ihnen ein Abteil am Wagenende. Da gibt’s nur eine Nachbarwand.“
Die Rückfahrt nach Hamburg haben wir gleich für drei Wochen später gebucht. Abteil am Wagenende. Für zwei.
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